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Raphael Sieber

Raphael Sieber Foto von Raphael Sieber

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Raum 421

Inhalt

Vita

Studium

seit 02/2013 Promotionsstipendiat in der Junior-Forschungsgruppe SALUS an der TU Dortmund, gefördert durch die Fritz und Hildegard Berg-Stiftung

10/2008 - 03/2013 Studium der Raumplanung an der TU Dortmund

04/2002 - 12/2007 Studium der Geographie, Soziologie und Politik an der Humboldt Universität zu Berlin

 

Praktische Tätigkeit

seit 04/2010 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Architektur der FH Dortmund, Forschungsbereich „Planen und Bauen im Strukturwandel“,

Bearbeitung verschiedener Forschungsprojekte im Bereich Lichtplanung und gesundheitsfördernder Stadtentwicklung

06/2009 - 03/2010 freiberufliche Mitarbeit in einem Forschungsprojekt der

FH Dortmund zur Lichtplanung im öffentl. Raum

 

Promotionsthema: Instrumente einer gesundheitsförderlichen Stadtentwicklung unter besonderer Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten

 

Problemstellung

Gesundheitsförderung und -erhaltung findet auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen statt. Dabei sieht sie sich jedoch mit einem Dilemma konfrontiert; „Gesundheitsförderung verfügt über keine eigenen, speziellen Institutionen, die ausschließlich oder zumindest wesentlich diese Aufgabe zum Kernziel haben. […] Gesundheitsförderung ist in diesem Sinne ein bewusst herbeigeführter Zusatznutzen der Aktivitäten […] von Stadtentwicklung“ (Stender 2011). Doch die Vorgehensweisen, Methoden und Instrumente der räumlichen Planung schöpfen noch nicht ihr volles Potenzial aus, um Gesundheitsbelange in Planungsprozessen zu berücksichtigen. In aktuellen Publikationen wird weiterhin von zu überwindenden Defiziten in der gesundheitsorientierten Stadtplanung ausgegangen und die Frage gestellt, wie „[…] gesundheitliche Belange und Ansätze von Gesundheitsförderung und Prävention stärker als bislang in die Konzepte und Verfahren von Stadtplanung und Stadtentwicklung integriert werden [können]“ (Böhme et al. 2012)?

 

Forschungsziele

Mit der Dissertation wird die Absicht verfolgt, Wege der Integration des Settingansatzes – als äußerst praktikabler Weg zur Gesundheitsförderung (Poland et al 2009) – in ausgewählte Instrumente der Stadtplanung (z. B. Bebauungsplan, Integriertes Stadtbezirkentwicklungskonzept (InSEKt), städtebauliche Sanierungsmaßnahme) aufzuzeigen. Hierbei wird von der Annahme ausgegangen, dass die Integration des Settingansatzes die Möglichkeiten stadtplanerischer Instrumente zur Berücksichtigung gesundheitlicher Belange verbessern kann. Die Bedeutung lebensweltlich orientierter Settings im Beteiligungsverfahren, die Möglichkeiten Gesundheitsbelange einzelner Settings in Abwägungsprozesse einzustellen sowie ihre Berücksichtigung in rechtsverbindlichen Festsetzungen sollen während des Vorhabens näher untersucht werden. Eine stärkere Berücksichtigung von Settings im Planungsprozess zielt somit auch – wie in der Ottawa Charta (WHO 1986) gefordert – auf die Verbesserung der Fähigkeiten jedes Einzelnen, die „eigene Umwelt meistern bzw. verändern zu können“ sowie ein „höheres Maß an Selbstbestimmung über die eigene Gesundheit“ zu erlangen.

 

Planungstheoretischer Hintergrund

Die benannten Forschungsziele führen zu der Frage, in welcher Weise Instrumente der räumlichen Planung lokale Settings beeinflussen und wo Zusammenhänge zu identifizieren sind.

In Anlehnung an die Definition der WHO (2013) können Settings in der Regel anhand physischer Grenzen, einer Anzahl von Menschen mit definierten Rollen und einer Organisationsstruktur identifiziert werden. Schulen, Kitas, Krankenhäuser und Stadtteile sind Beispiele für Settings. Nach Rosenbrock und Gerlinger (2012) sind zwei Formen settingbezogener Gesundheitsförderung zu unterscheiden. Zur „Gesundheitsförderung im Setting“ wird „die Erreichbarkeit von Zielgruppen im Setting genutzt, um dort Angebote der verhaltensbezogenen Prävention […] zu platzieren.“ Die „Entwicklung gesundheitsförderlicher Settings“ hingegen beinhaltet verstärkt auch Elemente der Verhältnisprävention und zielt auf beteiligungsorientierte Prozesse zur Schaffung gesundheitsfördernder Strukturen (vgl. ebd.), welche den physischen Raum einschließen.

In der räumlichen Planungstheorie können nunmehr Anknüpfungspunkte des Settingansatzes an Instrumente der räumlichen Planung und deren Eingriffsweisen identifiziert werden. Jung (2008) beschreibt vier Eingriffsweisen der räumlichen Planung; erstens das „Ausweisen von Standorten“ (z. B. durch die Pläne der Bauleitplanung), zweitens das „Errichten von Anlagen“ (bspw. Bau und Instandhaltung von Gebäuden, Straßen, Parks, etc.), drittens das „Ausrichten von Einrichtungen“ (Gründung, Abschaffung oder Beeinflussung von Einrichtungen, bspw. über Anreize für Baugemeinschaften) und viertens die Steuerung raumrelevanter Verhaltensweisen (z. B. durch Versuche die Verkehrsmittelwahl zu lenken). Die ersten beiden Eingriffsweisen beziehen sich vor allem auf „Sachgebilde“, also materielle Strukturen, und werden als klassisches Aufgabengebiet der Raumplanung verstanden. Die anderen beiden Eingriffsweisen fokussieren eher auf Sozialgebilde. Sie gehen über den rein physischen Raum hinaus, da sie auch Individuen oder soziale Gruppen sowie deren Verhalten ansprechen. In der planerischen Praxis werden letztere Eingriffsweisen oftmals vernachlässigt („physikalischer Determinismus“, ebd.).

Abb. 1 zeigt ein Modell der Zusammenhänge zwischen dem Settingansatz der Gesundheitsförderung und den Eingriffsweisen der räumlichen Planung. Die Eingriffsweisen (1) und (2) knüpfen hauptsächlich an die "Schaffung gesundheitsförderlicher Settings" und Maßnahmen der Verhältnisprävention an. Die Eingriffsweisen (3) und (4) finden ihre Entsprechung hingegen eher in der "Gesundheitsförderung im Setting" sowie der Verhaltensprävention. Existierende Wechselwirkungen werden von der räumlichen Planung bisher möglicherweise zu wenig wahrgenommen und das Zusammenspiel beider Sphären im Planungsprozess nicht konsequent durchdacht. Somit könnte das Modell einen Beitrag zum Verständnis leisten, inwiefern die Instrumente der Stadtplanung – über  ihre Eingriffsweisen – lebensweltlich orientierte Settings und deren Gesundheitsbelange beeinflussen.

 

 Grafik

Abb. 1: Anknüpfungsmöglichkeiten von Eingriffsweisen der räumlichen Planung an Strategien der Gesundheitsförderung (Eingriffsweisen räumlicher Planung nach Jung 2008, basierend auf Schönwandt 1999 und Heidemann 1992)

 

 

Methodik und erwartete Ergebnisse

Aufgrund der geringen wissenschaftlichen Informationen zu den Möglichkeiten settingbezogener Planungsstrategien besitzt die Arbeit einen explorativen Charakter. Das Vorgehen kann grob in drei Schritte unterteilt werden; erstens die Identifikation relevanter Instrumente und ihre planungstheoretische Einordnung, zweitens die Analyse von Fallbeispielen mittels Dokumentenanalyse und Experteninterviews und drittens die Anwendung settingbezogener Planungsstrategien in einem Planspiel.

Als ein erstes Ergebnis kann das dargestellte Modell der Verknüpfungen zwischen dem Settingansatz der Gesundheitsförderung und den Eingriffsweisen der räumlichen Planung angesehen werden. Zudem ist es beabsichtigt, eine systematische Übersicht zu entwickeln, welcher gesundheitliche Belang in welchem Setting über welche Eingriffsweisen der räumlichen Planung angesprochen werden kann. Letztlich sollen begründete Aussagen getroffen werden, inwiefern settingorientierte Planungsstrategien dem Ziel gesundheitsförderlicher städtischer Umwelten zuträglich sein können.

 

Rahmenbedingungen

Das Promotionsvorhaben ist eingebettet in die Arbeiten der Juniorforschungsgruppe SALUS ("Stadt als gesunder Lebensort unabhängig sozialer Ungleichheit"), welche von der Fritz und Hildegard Berg-Stiftung gefördert wird. Innerhalb der Forschungsgruppe beschäftigen sich insgesamt fünf Promotionen mit Themen an der Schnittstelle zwischen Stadtplanung und Public Health.

 

Quellen:

Böhme, C./ Kliemke, C./ Reimann, B./ Süß, W. (2012): Einführung. In: Böhme, C./ Kliemke, C./ Reimann, B./ Süß, W. (Hrsg.): Handbuch Stadtplanung und Gesundheit.     Bern. S. 7 - 12.

Heidemann, C. (1992): Regional Planning Methodology. The First & Only Annotated Picture Primer on

Regional Planning; Karlsruhe: Institut für Regionalwissenschaft, Discussion Paper Nr. 16.

Jung, W. (2008): Instrumente räumlicher Planung: Systematisierung und Wirkung auf die Regimes und Budgets der Adressaten. Hamburg.

Poland, B./ Krupa, G./ McCall, D. (2009): Settings for Health Promotion: An Analytic Framework to Guide Intervention Design and Implementation. In: Health Promotion Practice, Vol. 10, No. 4, S. 505 - 516.

Rosenbrock, R./ Gerlinger, T. (2012): Gesundheitspolitik. In: Hurrelmann, K./ Razum, O. (Hrsg.): Handbuch Gesundheitswissenschaften. Weinheim und Basel, 2012. S. 1009 - 1051.

Schönwandt, W. (1999): Grundriss einer Planungstheorie der „dritten Generation“. In: DISP 136/137,

35. Jahrgang, S. 25‐35.

Stender, K.-P. (2012): Ressortübergreifende Kooperation – am Beispiel der Gesundheitsförderung in Hamburg. In: Böhme, C./ Kliemke, C./ Reimann, B./ Süß, W. (Hrsg.): Handbuch Stadtplanung und Gesundheit. Bern.

WHO [Weltgesundheitsorganisation] (1986): Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung (WHO-autorisierte Übersetzung: Hildebrandt/Kickbusch)

WHO [Weltgesundheitsorganisation] (2013): Introduction to Healthy Settings. URL: http://www.who.int/healthy_settings/about/en/ (Abruf 08.11.2013)

 

 

Vorträge

  • Sieber Raphael: Strategien für eine gesundheitsfördernde Stadtenwicklung - Integration des Setting-Ansatzes der Gesundheitsförderung in Instrumente der Stadtentwicklung, 03.07.2014, Foko Forschungskolloqium, Universität Dortmund; Dortmund, 2014
  • Sieber, Raphael: Gesund, gerecht, geplant - Instrumente einer gesundheitsfördernden Stadtentwicklung unter Berücksichtigung sozialer Ungleichheiten, 28.11.2013, Konferenz Stadtwandel als Chance, Wuppertal Institut; Wuppertal, 2013
  • Sieber, Raphael: Integration des Setting-Ansatzes in Instrumente der Stadtplanung – Ein neuer Ansatz für die gesundheitsfördernde Stadtentwicklung!? 05.03.2015, Kongress „Armut und Gesundheit“, Berlin
  • Sieber, Raphael: Moderation des Workshops „Daten und Ziele als Grundlage von Planungsprozessen“. 17. 03 2015, Fachtagung des Gesunde Städte Netzwerkes, Hamburg.
  • Sieber, Raphael: Gesund, gerecht, geplant – Integration des Setting-Ansatzes in Instrumente der Stadtplanung. 19.05.2015, Jahrestagung des AK Quartiersforschung „Quartier und Gesundheit“, Berlin.
  • Sieber, Raphael: A way to environmental justice – Taking advantage of the settings approach for health promotion in urban planning. 15.07.2015, AESOP Annual Congress, Prag.